Braintank

Thoughts - Ideas - Action

Konstruieren sie auch regelmässig Wirklichkeiten? Sie sind sie auch schon grandios an ihren Wirklichkeiten gescheitert? Haben Sie schon mal eine Mauer gesehen, wo keine war? Wer kennt das Konzept? Ich beginne mal mit einer Geschichte.

Vor langer, langer Zeit durfte ich mit einem Team von Leuten für einen Outsourcing Deal das Offerte-Team führen. Eine spannende Aufgabe. Wir konnten das Angebot frei beschreiben, hatten viele gute Ideen, was man so machen könnte. Hatten einen sehr guten Teambildungsprozess, waren voller Elan. Wir hatten alles zusammen, einen sehr guten Plan, einen guten Preis und dann kam das Audit-Team vom Europäischen Hauptquartier. Getrieben nur davon, uns vor uns selber zu schützen. Keine Fehler zu machen. Vieles bekamen wir durch, aber in einem Punkt konnten wir uns nicht durchsetzen. Wir durften nur Garantien für etwa 50% des Personals abgeben. Aus unserer Sicht ein Killer-Kriterium für unsere Offerte. Trotzdem haben wir den Pitch gemacht. Immer wieder wurden wir vom Kunden gefragt, ob wir nicht eine andere Möglichkeit hätten, betreffend der Personalübernahme. Wir haben unsere Position klar gemacht und korrekt verteidigt. Und sind dann auch in der zweiten Runde raus gefallen. Kleiner Trost, der Deal hat nie stattgefunden.

Im Debriefing hat uns ein Mitglied der Geschäftsleitung gefragt, warum wir nicht gesagt hätten, dass wir alle Leute übernehmen würden? Weil wir nicht durften, haben wir argumentiert. Darauf seine Antwort: Wenn Sie uns einen Deal über 7-10 Jahre bringen im Wert von mehreren Hundert Millionen Umsatz bringen und dafür alle Leute übernehmen mussten, dann hätten wir dieses Problem für sie gelöst. Oder denken sie, dass wir in einem solchen Fall, den Deal deswegen zurückgegeben hätten? Halten Sie uns für so „begrenzt“?

Seit dann sehe ich so gedankliche Mauern etwas mit anderen Augen. Seit dann trete ich solche Gedanken-Mauern. Erst dann weiss man, ob sie echt sind oder nicht. Vor allem wenn man viel Druck hat, dann lohnt sich solch ein Tritt. Meine Amerikanischen Kolleginnen und Kollegen arbeiten häufig nach der Devise:

“It’s easier to ask forgiveness than to beg for permission.” Lora Leigh

Und Recht haben sie. Bis man um Erlaubnis gebettelt hat, kann es schon zu spät sein. Ab und zu ist die Aktion einfach wichtiger und wenn es nicht geklappt hat, dann kann man immer noch um Vergebung bitten. Wenn man schneller sein will, weil die Dynaxabilität es erfordert, dann ist diese Device richtig und wenn man lustvoll in seine Gedankenmauern tritt, dann kann einem das noch viel mehr helfen. Im Change Management mit Menschen, also in den Sumpf und vor allem aus dem Sumpf, kann es sehr viel helfen, wenn man seinen Mauern immer wieder hinterfragt. Wenn man etwas ändern will muss man es am Anfang tun. Dort bekommt man alle Chancen, auch die Mauern zu verschieben oder aufzulösen.

Treten sie doch bei Gelegenheit wieder mal so eine Gedankenmauer. Vielleicht ist sie ja gar nicht echt und verschwindet. Wenn ihnen dieser Text nicht hilft, dann vielleicht dieser über heulende Wölfe. Selbes Grundkonzept, andere Geschichte.

1 thought on “Ich – Welt: Mauern im Kopf

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