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Das Wort zum Sonntag Merkantilismus

Merkantilismus (aus dem Französischen mercantile, oder dem Lateinischen mercator, deutsch ‚Kaufmann‘) bezeichnet die vorherrschende Wirtschaftspolitik und Wirtschaftstheorie zwischen ca. 1600 und 1750. 

Der Merkantilismus verbindet staatliche Lenkung mit steigendem Nationalismus.  Primäres  Ziel ist die Deckung des stetig steigenden staatlichen Geldbedarfs.

In Frankreich wo der Merkantilismus seine grösste Verbreitung fand, war das Ziel  die Steigerung der Steuereinnahmen zur Finanzierung der Kriege, des stehenden Heeres und der teuren Hofhaltung des Königs. Man spricht in diesem Zusammenhang von einer „aktiven (Aussen)-Handelbilanz“. Das bedeutet, es werden mehr Waren exportiert als importiert; die Gelddifferenz bleibt als Gewinn im Staat.

Dafür sorgt der Staat für die Verbesserung der Verkehrswege (Strassen, Brücken und Kanäle). Im Süden Frankreichs wurde der Canal du Midi erbaut. Die zahlreichen Binnenzölle an Brücken, an Stadt- oder Provinzgrenzen verschwinden und ein einheitlicher Binnenmarkt wird geschaffen. Die Transporte im Inland sollen auf diese Weise billiger werden. Daneben wurde auch die Vereinheitlichung von Massen und Gewichten vorangetrieben. 

Da der Merkantilismus ist einseitig auf Gewinn des Staats ausgerichtet ist,  lässt er andere Zusammenhänge ausser Acht. Die fehlende Konkurrenz durch die Monopolstellung des Staates und seine willkürlichen Eingriffe  verhindern eine gesunde wirtschaftliche Entwicklung, so haben kleine Handwerkern und Familienbetriebe gegenüber den staatlichen Manufakturen keine Chance.

Da Produktivität alleine am Fluss von Gold gemessen wird, wurde die Leistung der Landwirtschaft, in der immer noch fast 80% der Bevölkerung arbeitet, überhaupt nicht wahrgenommen. Das alte Pachtsystem, das auch die Leibeigenschaft kennt, bleibt erhalten. Um billig produzieren zu können (damit der Export mehr einbringt), müssen die Inlandlöhne tief sein, was wiederum bedingt, dass die Grundnahrungsmittelpreise billig sind. Die Bauern sind doppelte Verlierer in diesem System.

Da das Handelsvolumen nicht unendlich ist, ist wirtschaftliches Wachstum nur auf Kosten anderer möglich. So förderte der Merkantilismus den Kolonialismus, das heisst die Ausbeutung der überseeischen Kolonien, weil von dort die billigen Rohstoffe kommen, die für die Manufakturen im eigenen Land gebraucht werden.

Der ständiger Zufluss von Geld muss zwangsläufig früher oder später zur Geldentwertung und Inflation führen. Was die Grundnahrungsmittelpreise in die Höhe treibt. 

Der Merkantilismus war die erste dokumentierte Version des Kapitalismus, noch nicht ganz ausgegoren, aber immerhin ein erster Schritt, der im Zusammenhang mit Infrastruktur viel brachte, für die Bauern aber wenig hergab.


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