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Das Wort zum Sonntag: Emergenz

Emergenz (von lateinisch emergere: auftauchen, hervorkommen, sich zeigen) ist ein Fachbegriff, welcher in der Systemtheorie, der Chaostheorie und der Philosophie vorkommt. Die Emergenz beschreibt das „Erscheinen“ eines optimalen Zustands im System, ohne das eine Einwirkung auf einzelne Elemente sichtbar geworden ist.

Es heisst ja meistens: „Alles wird Gut“. Das stimmt auch. Ein System nimmt irgendwann im Laufe seines Daseins meistens einen „Emergenten Zustand“ ein. Das heisst, alle Elemente sind optimal zueinander.  Das Problem für uns bleibt wohl der Versuch, diesen Prozess zu steuern. Darum hier eine kleine Hilfestellung. Welche Einflussfaktoren können zur Emergenz führen:

  1. Nichtlinearität: Kleine Störungen des Systems oder minimale Unterschiede in den Anfangsbedingungen führen rasch zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen (Schmetterlingseffekt).
  2. Wechselwirkung: Die Wechselwirkungen zwischen den Teilen des Systems (Systemkomponenten) sind lokal, ihre Auswirkungen in der Regel global.
  3. Selbstorganisation: Dadurch können sie die Fähigkeit zur Selbsorganisation entwickeln.
  4. Attraktoren: Die meisten komplexen Systeme weisen so genannte Attraktorenauf, d. h. dass das System unabhängig von seinen Anfangsbedingungen bestimmte Zustände oder Zustandsabfolgen anstrebt, wobei diese Zustandsabfolgen auch chaotisch sein können

Systeme, die sich über die obigen Parameter definieren, sind anfällig für emergente Eigenschaften. Manche emergente Eigenschaften können dann bei einer reduktionistischen Betrachtungsweise nicht entdeckt werden, wenn sie erst im Zusammenwirken mit anderen Subsystemen auftreten. Andererseits ist es in manchen Fällen möglich, bestimmte Elemente oder Wirkzusammenhänge zu ändern oder gar zu eliminieren, ohne dass sich bestimmte emergente Eigenschaften des Systems verändern, während andere sich sehr wohl ändern können. davon ab, wie essentiell oder bedeutend sie für die Ausbildung der emergenten Eigenschaft sind.

Also versucht heute mal mit Eurem Gegenüber einen ermergenten Zustand zu erreichen. Viel Spass dabei.

5 Kommentare

  1. Also ich könnte nicht behaupten, dass ich klug genug wäre den Artikel vollständig zu verstehen. Aber es scheint mir also, dass man nicht nur Emergenz innerhalb des Systems sondern auch zu andern Systemen erreichen kann.

  2. Tja, die Deutung stimmt auf jeden Fall. Es auch so, dass Emergenz ein sehr schöner Zustand ist. Aber leider nicht stabil nachvollziehbar. Und nicht immer Beeinflussbar.

  3. „Die Emergenz beschreibt das ‚Erscheinen‘ eines optimalen Zustands…“ als ich das lies war ich erstmal irritiert, denn ich hatte die Emergenz fälschlicherweise mit dem engl. ‚Emergency‘ anstelle von ‚Emergence‘ in Verbindung gebracht.

    Ob wohl diese Wortähnlichkeit dem reinen Zufall entspringt? Wie auch immer, viel interessanter erscheint mir die Frage, ob ein System, das einen emergenten Zustand erreicht hat, diesen auch wieder verlieren kann. Anderst formuliert, heisst „Optimal“ automatisch auch „Stabil“ und ist „Optimal“ ein-eindeutig definiert?

    Wo mir der Artikel zu denken gibt, ist die Aussage, dass Nichtlinearität, Wechselwirkungen und Attraktoren zur Emergenz beitragen können. Wird nicht immer wieder versucht Nichtlinearität und Wechselwirkungen auszuschliessen, Attraktoren zu überwinden und ausschliesslich durch Organisation (Selbstorganisation im Systemsinn) das Optimum zu erreichen?

  4. @zap: Ob Emergency und Emergenz einen Zusammenhang haben? Ja sicher. Meistens ist ein Emergency ein Attraktor.
    Der Versuch alles auszuschalten, was Emeregenz unterstützt führt dazu, dass man nicht ins Ziel kommt. Auch pure Selbstorganisation interagiert. Sie kennt Attraktoren und Wechselwirkungen, weil Menschen, also Wesen mit der Fähigkeit zur Autopoiese, darin agieren.

  5. Pinkback: Das Wort zum Sonntag: Soziokratie | | Braintank

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